Häufige Fragen zur schulischen Tagesbetreuung

Welche Schulen können ganztägig geführt werden?

Ganztägig geführt werden können öffentliche allgemein bildende Pflichtschulen (= Volksschulen, Sonderschulen, Hauptschulen, Polytechnische Schulen) und die Unterstufe der allgemein bildenden höheren Schulen.

Was sind ganztägige Schulformen? (§ 8 lit. j SchOG, § 112 Abs. 5 TSchOG)

Ganztägige Schulformen sind Schulen mit Tagesbetreuung, an denen Kinder nicht nur unterrichtet, sondern auch betreut werden, und zwar (zumindest) bis 16:00 Uhr.

Welche unterschiedlichen Organisationsformen ganztägig geführter Schulen gibt es?

Schulen mit Tagesbetreuung umfassen sowohl einen Unterrichts- als auch einen Betreuungsteil. Diese können in verschränkter oder getrennter Abfolge geführt werden.

Was bedeutet „getrennte Abfolge von Unterrichts- und Betreuungsteil“?

Getrennte Abfolge bedeutet, dass Unterrichts- und Betreuungsteil zeitlich klar voneinander getrennt sind. Konkret: Im Anschluss an den Unterricht (am Vormittag) wird eine Betreuung angeboten. Die Betreuung kann auch nur an einzelnen Tagen der Woche in Anspruch genommen werden. Für den Betreuungsteil können Schüler/innen verschiedener Klassen zu Gruppen zusammengefasst werden.

Welche räumlichen und infrastrukturellen Voraussetzungen müssen ganztägig geführte Schulen erfüllen?

Für ganztägige Schulen sind neben der für jede Schule erforderlichen Zahl an Klassenzimmern und Gruppenräumen in der unter Bedachtnahme auf die voraussichtliche Schülerzahl erforderlichen Größe sowie den erforderlichen Nebenräumen überdies die für die Einnahme der Verpflegung und die Betreuung der Schüler im Betreuungsteil erforderlichen Räume vorzusehen.

Die Räumlichkeiten der Tagesbetreuung sollen folgende Anforderungen erfüllen:

  • Lebensraum, an dem sich die Kinder den ganzen Tag wohlfühlen können; „Räume zum Wohlfühlen“, Selbstgestaltungsmöglichkeit der Räume (Farben, Pflanzen, etc.)
  • eigener Arbeitsplatz
  • Rückzugsmöglichkeit für ruhigere Beschäftigungen
  • Lernort
  • Möglichkeiten für Freizeit, Kreativität und Sport (Garten, Musik, Werken, Turnsaal, freie Flächen,...)

Wann erfolgt die Anmeldung für den Betreuungsteil?

Die Anmeldung für den Betreuungsteil kann gleichzeitig mit der Anmeldung für die Aufnahme in die Schule erfolgen sowie innerhalb einer von der Schulleitung festzusetzenden Frist. Diese Frist hat mindestens drei Tage und längstens eine Woche zu umfassen und einen Sonntag einzuschließen. Nach dieser Frist ist eine Anmeldung zulässig, wenn keine zusätzliche Gruppe erforderlich ist. (§ 12a Abs. 1 SchUG)

Ist der Betreuungsteil an jedem Schultag zu besuchen?

In ganztägig geführten Schulen mit getrennter Abfolge von Unterrichts- und Betreuungsteil ist es sowohl möglich, den Betreuungsteil an allen Schultagen als auch nur an einzelnen Tagen pro Woche zu besuchen. Die Schüler/innen dürfen dabei auch in klassen-, schulstufen- oder schulübergreifenden Gruppen zusammengefasst werden.

Wie viele Schüler/innen umfasst die Betreuungsgruppe?

An ganztägig geführten Schulen mit getrennter Abfolge des Unterrichts- und Betreuungsteils darf die Zahl einer Gruppe 19 nicht übersteigen (Teilungszahl 20) und sieben nicht unterschreiten.

Wie ist der Betreuungsteil gestaltet? (§ 8 lit. j SchOG)

Der Betreuungsteil hat immer drei Bereiche zu umfassen, nämlich die

  • gegenstandsbezogene Lernzeit, die sich auf bestimmte Pflichtgegenstände bezieht, und/oder
  • individuelle Lernzeit sowie jedenfalls
  • Freizeit (einschließlich Verpflegung).

Was bedeutet „gegenstandsbezogene Lernzeit“?

Die gegenstandsbezogene Lernzeit dient der Festigung und Förderung des in den einzelnen Pflichtgegenständen vermittelten Lehrstoffs und umfasst auch schriftliche Arbeiten. Dabei ist darauf zu achten, dass die Aufgaben möglichst richtig, vollständig und eigenständig erledigt werden. Neue Lehrstoffe dürfen nicht erarbeitet werden.

Was bedeutet „individuelle Lernzeit“?

Die Schüler/innen sollen angehalten werden, die vorhandene Zeit sinnvoll zu nützen und selbstständig zu lernen. Die individuelle Lernzeit dient daher auch dazu, die Hausübungen zu erledigen, sich auf Prüfungen, Diktate, Tests usw. vorzubereiten, wobei auf den unterschiedlichen Umfang der Hausübungen und das unterschiedliche Tempo der Schüler/innen zu achten ist.

Wie lange bleiben die Kinder am Nachmittag in der Schule?

An Schulen mit Tagesbetreuung werden Schüler/innen an allen Schultagen – ausgenommen Samstag – zumindest bis 16:00 Uhr und längstens bis 18:00 Uhr betreut. Das genaue Ende der Betreuung ist von jeder Schule je nach Bedarf festzulegen. Der Zeitraum nach 16:00 Uhr ist allerdings ausschließlich dem Bereich Freizeit zu widmen, Lernzeiten dürfen nach 16:00 Uhr nicht mehr stattfinden. Aus diesem Grund können Kinder ab 16:00 Uhr auch jederzeit persönlich von den Erziehungsberechtigten von der schulischen Tagesbetreuung abgeholt werden. (§ 112 Abs. 5 TSchOG)

Wer betreut die Schüler/innen?

Während der gegenstandsbezogenen Lernzeit erfolgt die Betreuung durch Lehrer/innen. In der individuellen Lernzeit erfolgt die Betreuung durch Lehrer/innen und/oder Erzieher/innen.
Und im Freizeitbereich können neben Lehrer/innen und Erzieher/innen auch „Freizeit-pädagog/innen“ (= Personen mit erfolgreichem Abschluss des Hochschullehrganges für Freizeitpädagogik) die Betreuung übernehmen.

Besteht die Möglichkeit, dem Betreuungsteil fallweise fernzubleiben?

§ 43 Abs. 1 SchUG
Schüler/innen, die zum Betreuungsteil an Schulen mit Tagesbetreuung angemeldet wurden, sind verpflichtet, den Betreuungsteil, der ja ein Teil der Schulzeit ist, regelmäßig und pünktlich zu besuchen.

§ 45 Abs. 7 SchUG
Das Fernbleiben vom Betreuungsteil ist nur zulässig

  • bei gerechtfertigter Verhinderung und
  • im Falle, dass die Schulleitung oder der/die Leiter/in des Betreuungsteiles die Erlaubnis zum Fernbleiben erteilt.

§ 45 Abs. 2 und 3 SchUG
Gerechtfertigt ist eine Verhinderung beispielsweise, wenn der/die Schüler/in erkrankt ist, wenn kranke Angehörige der Hilfe des/der Schülers/in bedürfen sowie bei außergewöhnlichen familiären Ereignissen. In diesem Fall hat der Klassenvorstand oder die Schulleitung umgehend verständigt zu werden.

Wie erfolgt die Abmeldung vom Betreuungsteil?

§ 12a Abs. 2 SchUG
Während des Unterrichtsjahres ist eine Abmeldung vom Betreuungsteil nur zum Ende des ersten Semesters möglich. Diese Abmeldung hat spätestens drei Wochen vor dem Ende des ersten Semesters zu erfolgen.

Welche Beiträge sind in ganztägig geführten Schulen zu entrichten?

Der Ganztagsbetreuungsbeitrag setzt sich aus zwei Beiträgen zusammen:

  • Betreuungsbeitrag (für Unterbringung und Betreuung)
  • Verpflegungsbeitrag (für die Verpflegung).

Wie hoch ist der Betreuungsbeitrag?

§ 99h TSchOG
Für alle öffentlichen Schulen mit Tagesbetreuung gilt, dass die Beiträge für den Betreuungsteil höchstens kostendeckend sein dürfen. Die konkrete Höhe der Beiträge ist durch Verordnung festzulegen.
In Tirol fällt ein Betreuungsbeitrag von max. EUR 35,-- pro Monat an. Der genaue Betrag wird vom Schulerhalter festgelegt.

Was ist, wenn der Betreuungsbeitrag nicht bezahlt wird?

§ 33 Abs. 7a SchUG
Wird der Beitrag für den Betreuungsteil trotz Mahnung drei Monate nicht bezahlt, dürfen die betreffenden Schüler/innen den Betreuungsteil nicht länger besuchen.

Wie sind Schüler/innen während der schulischen Tagesbetreuung versichert?

Nach den derzeit geltenden Regelungen wird Aufsicht nach dem Aufsichtserlass geführt. Das bedeutet, dass die Kinder während des Aufenthaltes in der Schule bis zum Verlassen der Schulliegenschaft der schulischen Aufsicht unterliegen. Für alle schulischen Veranstaltungen und den Schulweg besteht für die Schulkinder eine Versicherung über die Allgemeine Schüler Unfallversicherung (AUVA).

Erklärung der Abkürzungen:

BGBl. = Bundesgesetzblatt
SchOG = Schulorganisationsgesetz
TSchOG = Tiroler Schulorganisationsgesetz
SchUG = Schulunterrichtsgesetz
SchZG = Schulzeitgesetz

 

Die hier aufgezählten FAQ sind aus folgender Quelle: tirol.gv.at